Bauern kritisieren Verbraucherstimmung

Schwierige Themen blieben nicht ausgespart beim Landwirtschaftsdialog mit Ramsauer und Steiner

Er hat schon eine lange Tradition, der regelmäßige Gedankenaustausch der Vertreter der heimischen Landwirtschaft mit den beiden gewählten Bundestags- und Landtagsabgeordneten Peter Ramsauer und Klaus Steiner (beide CSU). So auch am Montag Abend, als sich in Traunstein regionale Vertreter des Bauernverbandes (BBV) und verschiedenen landwirtschaftlichen Organisationen mit den heimischen CSU-Abgeordneten trafen, um hauptsächlich über die Themen zu reden, die den Landwirten Sorgen bereiten. Wesentliche Themen waren dabei der überreichte 10-Punkte-Katalog der bayerischen Land- und Forstwirtschaft, in dem es dem Verband insbesondere um die Zukunft bäuerlicher Familienbetriebe geht und mit dessen Umsetzung ländliche Räume gestärkt werden sollen. Dabei geht es um für die Bauern so elementare Themen wie beispielsweise die Wahrung des Eigentums, der praxistauglichen Weiterentwicklung von Tierhaltung und Tierschutz, dem Ausbau der erneuerbaren Energien und der Bewusstseinsschärfung in der Ernährungs- und Verbraucherpolitik.

Traunsteins Kreisobmann Sebastian Siglreithmayer betonte, dass der Austausch und die Diskussion Tradition habe. Und heuer im Wahljahr sei dieser besonders interessant. „Wir haben ein paar heiße Eisen zu besprechen“ so der Verbandsvertreter. Gleich zu Beginn monierte er die vorgefasste Meinung in der Öffentlichkeit über den „potenziellen Umweltverschmutzer Landwirtschaft“. Dabei gingen lediglich sieben Prozent des Co2-Ausstosses auf das Konto der Landwirtschaft. „Aber wir sind scheinbar an allem Schuld“ stellte er frustriert die Stimmung in der Landwirtschaft fest.

MdB Peter Ramsauer betonte, dass er den Abend nicht als „Wahlkampfveranstaltung“ empfinde. „Ich bin hier als einer da, der für euch immer Ansprechpartner ist.“ Er wolle keine Verbandsvertreter für seinen Wahlkampf vereinnahmen und stehe dem Gremium wie all die Jahre zuvor gerne Rede und Antwort. Der heimische Bundestagsabgeordnete monierte, dass Abgeordnete im großstädtischen Bereich oft der innere Bezug zur bäuerlichen Landwirtschaft fehle. Gerade im Bekenntnis zum Eigentum – aber auch in anderen Fragen – unterstütze der Bundesverkehrsminister a.D. den 10-Punkte-Plan des Bauernverbandes.

„Mir bereitet die Situation der bayerischen Landwirtschaft große Sorge und noch mehr in welche Situation sie kommen wird“ sagte der Landtagsabgeordnete Klaus Steiner mit Blick auf die Zukunft und sprach von einem „ewigen Kampf“ der bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber gegen aktuell acht Grüne Agrarminister auf Bundesebene. Er betonte die Diskrepanz die sich beim Verbraucher widerfinde. Die Wertigkeit von Lebensmittel seien oft nur auf dem Papier hoch, was sich auch daran zeige, dass dieser hochwertige Lebensmittel verlange, jedoch nicht bereit sei, einen angemessen Preis dafür zu bezahlen. Die Landwirtschaft müsse weg davon, in der Gesellschaft ständig am Pranger zu stehen.

Lebensmittel = Mittel zum Leben

Stellvertretender Kreisobmann Josef Freiwang ging auf die Tierwohlmaßnahmen ein. „In der deutschen Gesellschaft schwindet die Akzeptanz in der Tierhaltung.“ Der Verbraucher honoriere an der Theke aber nicht die höheren Kosten für eine veränderte Tierhaltung. Er ging auf die hohen Investitionskosten und baurechtlichen Hürden für einen Neubau von Ställen ein. Drei bis vier Milliarden Euro seien hierfür erforderlich. In der Initiative der Discounter Lidl und Aldi bis 2030 nur mehr Fleisch der Haltungsstufe 3 anzubieten sah Kreisobmann Sebastian Siglreithmayer das Ende der Nebenerwerbslandwirte.

Vorstandsmitglied Maria Friedrich sprach ein zunehmend verändertes Verbraucherverhalten an. „Regional produziert“ stünde mehr und mehr im Vordergrund, aber auch veränderte Essgewohnheiten der Menschen, was die Auswahl von Gemüse und Obst angehe. Kritisch sehe sie dabei, dass die Verbraucher immer mehr Lebensmittelbestellungen über Onlinedienste tätigen wobei MdL Klaus Steiner aber auch deutlich machte, dass gerade auch heimische Molkereien im Export stark seien und diesen zum wirtschaftlichen Erfolg benötigten.

Auch die stellvertretende Kreisbäuerin Christine Schuhegger wies auf die Bedeutung der durch die Bauern produzierten Lebensmittel hin: „Unsere Lebensmittel sind Mittel zum Leben!“. Sie monierte, dass man nicht immer höhere Standards zum Nulltarif erbringen könne. Pauschale Kritik an der Presseberichterstattung über die Landwirtschaft gab es von Vorstandsmitglied Birgit Strohmeyer: „Die hat uns ganz schön reingetaucht.“

Wolf und Co.: Gemeinsame Linie nötig

„Wolf, Biber und Luchs sollen zu großen Mengen heranwachsen und keiner traut sich etwas dagegen zu sagen“ monierte Vorstandsmitglied Franz Sonderhauser. Klaus Steiner fügte den Fischotter und Kormoran hinzu und machte deutlich, dass man zwar einen gesetzlichen Rahmen habe, dass es in der Ausbreitung aber auch Grenzen geben müsse. „Der Wolf hat bei uns keinen artgerechten Lebensraum“ sagte Klaus Steiner. Kreisobmann Sebastian Siglreithmayer machte deutlich, dass die Aufstellung von Schutzzäunen rund 360 Millionen Euro kosten würde, zu denen noch Unterhaltskosten von 34 Millionen Euro hinzu kämen. „Eine großflächige Einzäunung im Alpenraum heißt die Zerschneidung von Lebensräumen der Tierwelt“ sagte Klaus Steiner. Vorstandsmitglied Andreas Aigner griff die Thematik auf und brachte die vielen Waldkindergärten ins Gespräch. Auch hier könnten früher oder später problematische und gefährliche Situationen entstehen, wenn sich der Mensch und der Wolf gegenüber stünden.

Der Vorstand der Alpenmilch eG Chiemgau und Rupertiwinkel Josef Helminger ging auf die anstehende Bundestagswahl ein und spekulierte auf eine potenzielle schwarz-grüne Koalition nach der Bundestagswahl „Jugendliche haben Angst vor Grün-Grün“ kritisierte er eine „zu grüne Haltung der CSU“. Peter Ramsauer sprach von dem „Schreckgespenst einer schwarz-grünen Koalition“ und warnte vor „Vergrünungstendenzen“ der eigenen Partei.

Vorstandsmitglied Peter Ober ging auf die Strompreisgestaltung bei Biogasanlagen ein. Die Energie werde gebraucht, bei der künftigen Preisgestaltung nach Auslaufen der 20-Jahres-Frist würden mittelfristig aber insbesondere kleinere Anlagen verschwinden. Peter Ramsauer sagte, dass das EEG-Gesetz in der neuen Legislaturperiode vernünftige Anschlussregelungen brauche. Es dürfe nicht nur immer der stark schwankende Strompreis an der Strombörse Leipzig Maßstab sein. Biogasanlagen seien für das Gelingen der Energiewende unerlässlich. „Hier wird sich hoffentlich die Vernunft durchsetzen. Man kann die Betreiber nicht mit drei Cent abspeisen.“

Anton Heindl vom BBV Beratungsdienst sprach abschließend die Bodenpreisentwicklung an. Man brauche bei Grundstücksverkäufen Reinvestitionsmöglichkeiten auch im Bereich Maschinenkäufe und zur Schuldentilgung. Hier sei politische Unterstützung gewünscht sagte er an die beiden Abgeordneten gerichtet. Freibeträge beim Vermögensübertrag an Familienangehörige müssten den Marktverhältnissen in ihrer Höhe nach oben hin angepasst werden.