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Mitglieder des Tourismus-Ausschusses des Bundestages informierten sich in Südostoberbayern

 

Peter Ramsauer im Gespräch mit Tourismusexperten

Berchtesgadener Land. Achtzehn Mitglieder hat der Ausschuss für Tourismus des Deutschen Bundestages, der sich aus neun Mitgliedern der CDU/ CSU, fünf der SPD und je zwei der Fraktionen Die Linke und Bündnis 90/ Die Grünen zusammensetzt.



Man sehe den Tourismus als Wirtschaftsmotor und als echte Zukunftsbranche, so das Selbstverständnis des Ausschusses, der sich bundesweit für gute touristische Rahmenbedingungen einsetzt, und sich für das rechtzeitige Erkennen und Vermarkten globaler Trends stark macht. Sieben Ausschussmitglieder – begleitet von Tourismus- und Wirtschaftsreferenten aus den Berliner Fraktionen – besuchten am Dienstag und Mittwoch das Berchtesgadener Land und den Landkreis Rosenheim. In Berchtesgaden wurden sie vom Wahlkreisabgeordneten Dr. Peter Ramsauer empfangen und mit durch das Tagesprogramm geführt. Dieses sollte den Delegationsmitgliedern einerseits durch Besuche touristischer regionaler Höhepunkte wie beispielsweise einer Fahrt auf dem Königsee nach Sankt Bartholomä mit anschließendem Rundgang über die Insel einen kleinen Einblick in den regionalen Tourismus verschaffen. Daneben standen umfangreiche Gespräche mit regionalen Vertretern aus der Kommunalpolitik wie auch heimischen und externen Tourismusexperten auf der Agenda.

Ramsauer wies bei der Begrüßung darauf hin, dass das Berchtesgadener Land andere „touristische Eigenheiten“ habe wie der Chiemgau. Er sagte, dass der Tourismus in der Region trotz eines scheinbar ersten gewonnen Eindrucks der Berliner Gäste kein Selbstläufer sei. „Die Landschaft ist ein Geschenk des Himmels, der Rest ist harte Arbeit“, betonte der heimische Bundestagsabgeordnete.


Tourismus-Standbein alleine reicht nicht

Hannes Rasp, Erster Bürgermeister der Gemeinde Schönau, sagte, man dürfe sich im regionalen Tourismus nicht zurücklehnen: „Es reicht nicht, dass wir den Königssee haben.“  Professor Dr. Thomas Bausch vom Alpenforschungsinstitut betonte in der Diskussion, in der es vor allem auch um den Stand der Umsetzung der Alpenkonvention ging, dass der Tourismus alleine nicht reiche, um der regionalen Bevölkerung ein dauerhaft gutes Auskommen zu schaffen.
 
Gerade die Wertschöpfung sei im Tourismus ein Problem: „Die Wertschöpfungskette im Tourismus ist oft sehr kurz“, betonte Stefan Witty von der nichtstaatlichen Dachorganisation CIPRA, der Internationalen Alpenschutzkommission. Kritisch machte Witty die Defizite bei der Alpenkonvention deutlich: „Sie ist noch nicht bei den Bürgermeistern und Landräten angekommen."

Dr. Peter Eggensberger vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz wies darauf hin, dass die Alpenkonvention vor Ort zumeist nicht die Akzeptanz habe, die man sich wünsche. Es sei nicht deckungsgleich, was man in den Hauptstädten der Alpenregion entscheide, und was bei den Menschen vor Ort ankomme. „Wir müssen die Konvention näher an die Menschen bringen“ gab er die Zielsetzung aus, die man im Staatsministerium umsetzen wolle.
 
Ramsau bald DAV-Bergsteigerdorf?

Stephan Köhl, Geschäftsführer der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH, berichtete vom Bestreben, die Ramsau könne zum ersten DAV-Bergsteigerdorf ernannt werden. Hier sei die Nachbar-Tourismusregion Österreich in der Entwicklung voraus. Er warb für eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Tourismus und regionaler Wirtschaft. Man verfüge mit Produkten wie beispielsweise der Bergbauern Milch oder dem Bad Reichenhaller Markensalz über einen ausgezeichneten Ruf, der weit über die Region hinausreiche.
 
Dr. Peter Ramsauer: Tourismusregionen schwer „unter einen Hut“ zu bringen

Durchaus wünschenswert, in der Praxis aber faktisch nicht realisierbar, sehe er die ausgesprochene Überlegung die Tourismusaktivitäten am Chiemsee, dem Berchtesgadener Land und dem Königsee unter „einen Hut“ zu bringen, betonte Peter Ramsauer. Es gäbe aber inzwischen vorsichtige positive Signale des Zusammenwachsens.

Fokussierung auf den Wintersport falsch?

Längere Diskussionen gab es um die Frage, ob sich die Region nicht zu sehr auf das Wintersportangebot konzentriere. Man werbe mit „Wintersport“, statt mit bevorzugt mit „Wintererholung“ nach Außen zu gehen.
 
Eine klare Absage erteilte  Ramsauer einer möglichen Bevormundung der Bürger, weil man den Winterurlauber lieber auf südostbayerischen Skihängen als in fernen, warmen Gefilden beim Tauchen am Roten Meer sehe. „In einer freiheitlichen Gesellschaft gehört die Möglichkeit dazu, zwischen all den Lebensstilen zu wählen. Wir dürfen den Bürger nicht bevormunden“ betonte der frühere Bundesminister.

Einig waren sich die Anwesenden, dass man die Bemühungen intensivieren müsse, die Wertschöpfung in der Region zu belassen. Auch warb man dafür, dass die Beherbergungsstätten über einen zeitgemäßen Stand verfügen müssen. Daneben sei eine intakte Natur und Umwelt wichtig für den Tourismus.

Ausschussvorsitzende Heike Brehmer machte zum Schluss der rund zweistündigen Diskussion deutlich, dass die Alpenkonvention weiter ein Thema im Ausschuss sein wird: „Die Konvention wird uns weiter beschäftigen.“

Dr. Peter Ramsauer im Dialog mit örtlichen Geschäftsinhabern

Ramsauer, Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft und Energie des Deutschen Bundestages, nutzte den anschließenden Gang über die Seestraße zum Königsee, um sich mit örtlichen Geschäftsinhabern und Bürgermeister Hannes Rasp intensiv über die Problematik der vielfach diskutierten Öffnung der Geschäfte am Sonntag zu unterhalten.

Die Gruppe der Parlamentarier setzte im Anschluss ihre Reise durch die Region fort. Neben der Besichtigung des Biomassehofs Achental  standen umfangreiche Besichtigungen und Gespräche im Landkreis Rosenheim auf dem Programm.